Wenn schon Open-Source, warum dann nicht gleich richtig?

Nun ist sie also ausgesprochen, die Idee, wie es in meinem Leben weiter gehen soll. Man muss jedoch kein großer Pessimist sein, um einen Träumer (wie mich) wieder in die raue, kalte Realität des Alltags zurückzuholen:

„Das Geld, mein Junge! Wie willst du damit Geld verdienen?“

Die Frage ist leider nicht unberechtigt, auch wenn sie mir, so gestellt, nur wenig konstruktiv erscheint. Geld war für mich noch nie ein starkes Zugpferd, etwas auf die Beine zu stellen. Aufschlussreicher erscheint mir daher der Leitgedanke: „Wie willst du davon leben?“ Oder noch besser: „Wie willst du davon leben?“

Es ist vielleicht eine der wichtigsten Fragen, die man sich überhaupt stellen kann. Wer darauf wirklich eine ernsthafte Antwort sucht, darf nicht erwarten, dass er nach fünf Minuten weise durch sein restliches Leben rennt.
Mehr als ein Jahr habe ich gebraucht, um mein passendes Rezept zu finden. Irgendwann lag es dann plötzlich in der Luft. Es war auch Teil der Finanzkrise, die nicht nur der Gesellschaft insgesamt, sondern auch uns persönlich ganz neue Fragen stellt.

Was hat eigentlich welchen Wert?
Wonach sollten wir wirklich streben?

Bis vor kurzem war die Antwort relativ einfach: Grinsende Manager, feste Handschläge und steigende Wachstumserwartungen besiegelten lange Zeit nur einen Kurs: Profitabilität, hoher ROI, hohe Unternehmenswerte (Börsengang, Exit), Hohe Verkaufspreise (Exit).

Wo aber bleibt der Mensch?
Wo bleiben die weichen, nicht mit Zahlen messbaren Werte?

Jeder vernunftbezogene Unternehmer achtet bei der Anstellung seiner Mitarbeiter auch stets auf Softskills wie Teamfähigkeit oder Einfühlungsvermögen. Wer aber gebietet ihm, diese scheinbar so wertvollen, aber nicht kalkulierbaren Werte, auf dem Börsenparkett einfach auszublenden? Warum bewertet ein Investor nicht auch ein Unternehmen danach, ob es einen Nutzen für die Allgemeinheit bereitstellt, neue (öko-)soziale Innovationen und Standards setzt, Gerechtigkeit und Umweltbewusstsein fördert oder das internationale Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt?

Diese Fragen erscheinen dumm und naiv. Es gibt aber keinen wirklich guten Grund, sie nicht trotzdem zu stellen. Vor allem dann nicht, wenn sie mehr noch als das Wirken anderer, auch den eigenen Lebensstil in Frage stellen.

Ich habe mich entschieden, einen anderen Weg zu gehen, ganz gleich ob ich stolpere – ganz gleich ob ich „Das-habe-ich-doch-gleich-gewusst“-Leute lachen sehe. Mein erklärtes Ziel ist es, bis Dezember 2010 mein Leben über mein eigenes Open-Source-Projekt finanzieren zu können.

Inspiriert durch die Webseite http://instructablesrestaurant.com, auf der man die Baupläne für ein ganzes „OpenSource“-Restaurant downloaden kann,  ist mir aufgefallen, wie engstirnig ich das Thema Open-Souce bisher betrachtet habe. Open-Souce kann mehr sein, als nur der freie Zugang zu lesbaren Maschinencode!

Unternehmensziele, tägliche und monatliche Arbeitsabläufe, Investitions- und Kalkulationspläne, Statistiken über Erfolge und Misserfolge, Projektideen, Fremdeinflüsse, Post-Mortems, Studienergebnisse, White-Papers, Wunschlisten, Statistiken, Mitschriften … ja, all das kann man offen legen!
Es erscheint nur zu verrückt, es dann auch wirklich zu tun.
Warum aber eigentlich nicht? Es ist die Idee von einem echten Open-Souce-Unternehmen.

Von nun an werde ich Monat für Monat meine Einnahmen und Ausgaben verständlich online stellen. Jeder soll einsehen können, ob meine Tages~, Wochen~ oder gar Monatsziele erreicht wurden. Was gut und was schlecht gelaufen ist und welche Rückschlüsse ich daraus ziehen werde.
Jene Leute, die darüber nachdenken, sich selber einmal selbstständig zu machen, sollen einschätzen können, was sie bei einer Gründung erwartet. Alle anderen sollen Spaß dabei haben, mir beim Auswerten und Interpretieren meines unternehmerischen Geschicks zusehen und mitreden zu dürfen.

Wenn schon Open-Source, warum dann nicht gleich richtig?
Gerne freue ich mich auch über eure Ideen, Vorschläge und Einwände. Wie stellt ihr euch ein solches offenes Unternehmen vor? Welche Themen interessieren euch am meisten? Schreibt mir bitte.

Seid auch ihr offen, für das was da kommt!

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2 Kommentare zu „Wenn schon Open-Source, warum dann nicht gleich richtig?“

  1. wo kann ich sagt:

    “Vorallem dann nicht, wenn sie mehr noch als das Wirken anderer, auch den eigenen Lebensstil in Frage stellen. Ich habe…” – du hast hier nen kleinen fehler :)

  2. admin sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis. Auch der entsprechende Umgang mit Fehlern gehört zu einem Open-Source-Unternehmen ;)

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